GRI oder nicht GRI? – Das ist hier die Frage…

Posted by beyond-tomorrow in CSR Kommunikation, GRI Reporting, Nachhaltigkeitsberichterstattung | 0 comments

Jüngst erfuhr ich über fünf Ecken, dass ein deutsches Unternehmen, Top300, im Rahmen einer Unterhaltung darauf hinwies, dass es nicht mehr nach GRI reporten wollen würde. Alles viel zu teuer und zu viel Aufwand. Seitdem frage ich mich: GRI oder nicht GRI für das Nachhaltigkeitsreporting?

Theoretisch gesehen hat das Unternehmen völlig Recht. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI ist aufwendig und umfassend. Nicht selten dauert der Berichtsprozess zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts sechs bis neun Monate. Immerhin müssen Informationen für mehr als 150 Indikatoren gesammelt werden, orientiert man sich nach GRI 3.1. Nicht selten sind unzählige Personen innerhalb des Unternehmens, aber auch außerhalb des Unternehmens eingebunden – Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, Texter, Agenturen, Berater etc. Einen Nachhaltigkeitsbericht zu schreiben, kann unter Umständen zeit- und kostenintensiv sein. Darüber hinaus ist die Orientierung an Reporting-Richtlinien und Standards, wie beispielsweise GRI oder SASB, nicht bindend.

Praktisch gesehen bleibt die Frage, ob ich als weltweit agierendes Unternehmen, weit verbreitete und anerkannte Standards in meiner Berichterstattung vernachlässigen kann. Nicht umsonst werden diese Standards und Richtlinien häufig in jahrelanger und unter Einbindung von verschiedensten Stakeholdern, darunter namhafte Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, entwickelt. Denn auch wenn ein Reporting nicht bindend ist, allein die Akzeptanz der Standards und Richtlinien durch eine breite (Fach-) Öffentlichkeit macht es ratsam, diese zu berücksichtigen.

Natürlich befindet sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung in einem Umbruchprozess. Hier sei an dieser Stelle kurz auf den Trend „Integrated Reporting“ hingewiesen – dazu wird es in nächster Zeit auch einen separaten Beitrag auf diesem Blog geben. Dennoch, kann ich als Unternehmen es mir leisten, anerkannte Richtlinien und Standards zu vernachlässigen? Und wenn das demnächst alle tun: Widerspricht das nicht den Versuchen, die umfangreichen Informationen im Bereich Nachhaltigkeit zu kategorisieren, zu ordnen und letztendlich vergleichbar zu machen? Stehen wir dann nicht irgendwann wieder am Anfang, wo keiner so genau wusste, was er berichten sollte und einfach mal irgendetwas berichtet?

Und wie sehen Sie das?

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